Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2010

"Zettel‘s Traum" ist gesetzt - Im Oktober wird die Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts abgeschlossen

10. April 2010

"Immerhin wird sich das Buch vermutlich nicht setzen lassen, sondern - das MaschinenManuskript wird fotomechanisch vervielfältigt werden müssen." - So befand Arno Schmidt nach Beendigung der Arbeit an "Zettel‘s Traum". - "Wir haben noch keine SetzerGeneration herangezogen, die Etyms gewohnt wären." Nicht dass Schmidt ZT (und die noch folgenden TyposkriptRomane) nicht gesetzt sehen wollte, es war damals einfach nicht zu stemmen. Spätestens im Rahmen der Bargfelder Ausgabe sollte das, so der Beschluss der Herausgeber von Anfang an, geändert werden. Drei Bände aus dem Spätwerk Schmidts liegen bereits seit geraumer Zeit in "klassichem Buchsatz" vor. Nur "Zettels' Traum" hat sich gesträubt - bis jetzt.

Zettel's Traum (gesetzte Ausgabe)Arno Schmidt: Zettel's Traum (BA IV,1)
Mit einer Nachbemerkung v. Arno Schmidt.

Hrsg. u. mit einem editorischen Bericht versehen von Susanne Fischer u. Bernd Rauschenbach.
Typographie und Satz: F. Forssmann u. G. Jürgensmeier.
ca. 1530 Seiten, 25 x 34 cm, Fadenheftung


Am 1. Oktober erscheint die Neuausgabe wie alle Bände der Bargfelder Ausgabe in drei Versionen:

Die Standardausgabe in einem Band: Leinen, Schuber, Schutzumschlag. Subskriptionspreis bis zum 31.1.2011: 298,- Euro (danach: 348,- Euro)

Studienausgabe in vier Bänden: broschiert, Schuber. Subskriptionspreis bis zum 31.1.2011: 198,- Euro (danach: 248,- Euro)

Vorzugsausgabe in einem Band: Halbpergament im Schuber. Mit vier farbigen Faksimiles. 448,- Euro (keine Subskription)

Mit einem schön gestalteten Verlagsprospekt befeuert die Arno Schmidt Stiftung bis dahin die Vorfreude. Die Einleitung fragt: "Was stünde nicht alles in Zettel‘s Traum?" Es folgen einige Anmerkungen zum Buch von Arno Schmidt, ursprünglich verfasst für die Hörfunksendung "Vorläufiges zu Zettel‘s Traum". Dann wird jedem der 8 Bücher von ZT jeweils eine Seite gewidmet: kurz werden der Inhalt und die Hauptdiskussionslinien des entsprechenden Buches skizziert, garniert mit Zitateinsprengseln. Anschließend werden einige Briefstellen von Arno und Alice Schmidt zu ZT abgedruckt. Friedrich Forssman steuert erhellende Erklärungen zur langwierigen und überaus schwierigen Arbeit am Satz des eigentlich unsetzbaren Buches bei, und zwei Doppelseiten stellen dann beispielhaft einen Ausschnitt aus ZT in der Fassung der Erstausgabe und im Neusatz gegenüber. Garniert wird das ganze mit mehreren (zum Teil doppelseitigen) Fotos, die Schmidts überbordende Zettelkästen zeigen.

Ein (noch) ausführlicherer Werkstattbericht zum Neusatz kann auf den Webseiten der Arno Schmidt Stiftung eingesehen werden: "Warum dauert das denn so lange?" von Friedrich Forssman.

Zettel - Typoskript

Zettel - gesetzt

Natürlich kann und will der Neusatz das Faksimilie nicht eins zu eins abbilden. Auf den ersten Blick fallen Eingriffe ins Blockschema auf oder Zeilenverschiebungen. (Da wird es im Kreise der SchmidtForscher und -Leser mit Sicherheit noch viele Diskussionen, mitunter wohl auch Streitigkeiten geben. Doch sind die nicht das Salz in der Suppe?) Auch die unmittelbare Nähe zum Schreibprozess (was ein nicht unbeträchtlicher Reiz der FaksimileAusgaben war) geht im Neusatz natürlich verloren: handschriftliche Ergänzungen Streichungen und Korrekturen sind als solche nicht mehr unmittelbar kenntlich. Doch der Lesefluss ist im Neusatz erfreulich flotter und auch das handlichere Format wecken enorme Lust auf eine Neulektüre. (Ob ich es dann schaffe, ZT endlich ganz zu lesen?!)

Alles in allem weckt der Verlagsprospekt die (Neu)Gier auf den gesetzten Zettel ganz beträchtlich. Und haben wir das Buch erst in der Hand, wird "Zettel‘s Traum" wenn nicht neu, doch mit Sicherheit anders zu entdecken sein. Das Warten hat lange gedauert - bald hat es ein Ende.

Mehr zu Arno Schmidt: Bargfelder Bote - Geschichten aus Deutschland - Bilder aus Bargfeld - Zettel's Traum (ältere Ausgabe)