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Zum 100. Todestag von Mark Twain - Die Abenteuer von Tom und Huck in einer neuen brillianten Übersetzung

21. April 2010

"Mark Twain war der erste echt amerikanische Schriftsteller, und wir alle sind seine Erben, von ihm stammen wir ab." Das sagte William Faulkner über seinen Kollegen, der eigentlich Samuel Langhorne Clemens hieß. Geboren 1835 in Florida wuchs Mark Twain am Mississippi auf und arbeitete dort früh als Flusslotse und Setzerlehrling. Nach einem kurzen Einsatz als Soldat im Sezessionskrieg versuchte er zunächst sein Glück als Goldgräber in Nevada und wurde dann Journalist in San Francisco. Mit dem Schreiben hatte Mark Twain seine wahre Berufung gefunden, schnell folgten erste Buchveröffentlichungen (z.B. "Der berühmte Springfrosch von Calaveras") und mit ihnen der Ruhm. Seine langen Reisen vor allem durch Europa lieferten ihm den Stoff für anekdotische und humorvolle Reisebücher ("Der Bummel durch Europa").

Mark TwainMark Twain: Tom Sawyer und Huckleberry Finn
Hrsg. und aus d. Amerikanischen übersetzt von Andreas Nohl

Geb., 712 Seiten
München: Hanser 2010

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Doch sein bis heute berühmtestes Werk wurde 1876 "Die Abenteuer des Tom Sawyers", dem acht Jahre später "Die Abenteuer Huckleberry Finns" folgte und das als weit mehr angesehen werden muss und viel reicher ist als nur eine einfache Fortsetzung. Leider werden die beiden epochemachenden Initiationsromane bis heute von vielen Lesern als Jugendbücher missverstanden. Das ist schade, denn damit werden bei der Lektüre viele Blickwinkel künstlich verstellt. Mark Twain beleuchtet in beiden Büchern in gewohnt ironischer und skurriler Art Grundfragen der amerikanischen Kultur: es geht um viel mehr als Kindheit und Jugend , es geht um Zivilisation und Freiheit, Sklaverei und Mitmenschlichkeit, Heuchelei und moralische Integrität. Die unvergleichliche Art und Weise, in der Mark Twain Leben und Alltag in den US-Südstaaten des 19. Jahrhunderts schildert, mit tiefer Menschlichkeit und schonungslosem Realismus, machen beide Romane zu Weltliteratur.

Andreas Nohl hat nun, anlässlich des 100. Todestages Mark Twains, beide Klassiker neu übersetzt. Alles künstliche wird von Nohl vermieden und der Ton der Menschen ist in der wörtlichen Rede herrlich unverkrampft. Die erzählerischen und beschreibenden Partien dagegen sind in Rhythmus und Klang feinfühlig gestaltet. Die beiden formal und stilistisch auch heute noch modern wirkenden Romane, kommen hier aufpoliert und ohne jede Patina daher. Alles glänzt und wirkt wie frisch renoviert. Die Abenteuer von Tom und Huck in der Übersetzung von Andreas Nohl noch einmal zu lesen ist so, als ob man beide Bücher ganz neu entdeckt. Nohl hilft, den Blick des erwachsenen Lesers auf die treuen Begleiter der Jugend zu weiten und neu zu fokussieren.

Wer noch die ältere Übertragung von Lore Krüger besitzt, muss sich allerdings nicht grämen. Auch diese Übersetzung, 1971 im Rahmen der gesammelten Werke Mark Twains im Hanser Verlag erschienen und später in einer Diogenes Taschenbuchkassette nachgedruckt, hat durchaus (immer noch) ihre Qualitäten. Auch wenn sie in Wortwahl und Konstruktion, vor allem beim Eindeutschen von Slang und Dialekten, mitunter antiquiert erscheint, hat die Version von Lore Krüger durchaus das richtige Gespür für die feinen Nuancen der Twain‘schen Ironie. Leider ist die Diogenes-Werkauswahl in fünf schönen Dünndruckbänden, die neben Tom und Huck auch viele andere Perlen des Twainschen Schaffens präsentiert, nur noch antiquarisch erhältlich.