22. Februar 2010
Es sind düstere Bilder, fast wie in einem Film noir. Nur wenn das Feuer ins Spiel kommt explodieren die Farben. Eine Hölle in Orange, Rot und Gelb. Ein Höllebrand, der Bücher verschlingt und mit ihnen alles, was Freiheit, Wissen und Denken bedeutet. Diesen Band einfach nur als Comic zu bezeichnen, wäre falsch; Tim Hamilton hat den Roman von Ray Bradbury kongenial in eine berauschende, graphische Erzählung, eine Graphic Novel, umgesetzt.
Tim Hamilton / Ray Bradbury: Fahrenheit 451
Eine Graphic Novel
Deutsch v. Fritz Grüttinger, 160 Seiten
Frankfurt / Main: Eichborn 2010
Guy Montag ist Feuerwehrmann und sein Job macht ihm Spaß. Er legt Brände ... Daß die Feuerwehr früher Feuer gelöscht habe, hält Montag für einen Mythos. Montags Auftrag ist klar und unmissverständlich. Bücher werden verbrannt und mit ihnen die Häuser, in denen sie versteckt werden. Niemand darf Bücher lesen oder besitzen. Eine papierfreie Gesellschaft ist das Ziel, dauerberieselt von geistloser Fernsehunterhaltung auf Riesenbildschirmen. Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Bücher Feuer fangen und verbrennen. Seit 10 Jahren ist Montag schon Feuerwehrmann und er hat niemals die nächtlichen Einsätze und die Freude am brennenden Papier hinterfragt. Doch dann trifft er die geheimnisvolle Clarissa ... Montag kommt ins Grübeln und und als wenig später eine alte Frau freiwillig mit ihren geliebten Büchern in den Flammentod geht, will Montag das Geheimnis der Bücher verstehen. Heimlich beginnt er zu lesen. Doch seine Feuerwehrkollegen kommen ihm auf die Spur und verbrennen sein Haus. Montag wird Staatsfeind, flieht in die Wälder, schließt sich dort Menschen an, die Bücher bewahren, indem sie sie auswendig lernen und mündlich weitergeben.

Ein Blick in das Innere von "Fahrenheit 451". Abb.: © Eichborn Verlag, Frankfurt/M.
1953 ist Bradburys düstere Zukunftsversion einer totalitären und unmündigen Gesellschaft erschienen. 1966 hat Francois Truffaut diese Liebeserklärung an das gedruckte Wort verfilmt. Spätestens seitdem besitzt "Fahrenheit 451". 2010, im Jahr des 90. Geburtstages Bradburys, eine neue der Zeit angepasste Adaption. In pulsierenden, eindringlichen Bildern wird die Geschichte, beklemmend aktuell, frisch erzählt. Und wenn man aus dem Strudel der Bilder auftaucht, sollte gleich anschließend auch der Roman von Bradbury wieder zur Hand genommen werden. Er hat es verdient. Übrigens erzählt Bradbury, der selbst bekennender Comicfan ist, im Vorwort zu Tim Hamiltons Graphic Novel wie einst bei einem Spaziergang durch die Nacht "Fahrenheit 451" seinen Anfang nahm.
Ray Bradbury: Fahrenheit 451
Übers. v. Fritz Güttinger
Broschur, 240 Seiten
Zürich: detebe 1980
Empfehlenswert ist auch die, ebenfalls bei Diogenes erschienene, Hörbuchfassung von "Fahrenheit 451". Rufus Beck, wie immer wandlungsfähig, einfühlsam und niemals einschläfernd, liest den ungekürzten Text in der deutschen Übersetzung von Fritz Güttinger.