8. März 2008
Wahrhaft ein gewaltiger Schmöker. Die Hälfte der 1.300 Seiten habe ich bewältigt; bei einem Buch dieser Art genug, um ein erstes Urteil abgeben zu können. Um ehrlich zu sein, mir gefällt es.
Follett, Ken: Die Tore der Welt. Historischer Roman.
Aus dem Englischen von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt. Mit Illustrationen von Jan Balaz.
HC mit Schutzumschlag: 1295 Seiten.
Bergisch-Gladbach: Lübbe 2008
Die Stadt Kingsbridge im Jahr 1327. Im Schatten der großen Kathedrale, deren Bau im Mittelpunkt von "Die Säulen der Erde" stand, wird Allerheiligen gefeiert. Vier Kinder flüchten aus dem Trubel in den vor den Toren der Stadt gelegenen Wald. Dort werden sie Augenzeugen eines tödlichen Kampfes - und erfahren ein tödliches Geheimnis. Die weiteren Lebenswege dieser vier Kinder, die sich immer wieder kreuzen und verbinden, werden im Verlauf des Romans geschildert. Ken Follett präsentiert eine perfekte Mischung aus mittelalterlichem Kolorit und spannender Krimihandlung. Der britische Bestsellerautor versteht das Handwerk der flotten Schreibe. "Die Tore der Welt" lesen sich weg wie nichts und die Lektüre macht Spaß.
Das liegt vor allem daran, daß Follett hier auf der Folie eines historischen Romans eine Fülle ganz aktueller und gar nicht mittelalterliche Schlagwörter und Themen verhandelt. Die Protagonisten, die mehrere Dutzend Nebenfiguren und die Masse der Statisten könnten auch in Jeans und Sportschuhen durch die Welt laufen. Es geht um internationale Märkte, Anteile am Volksvermögen und Umverteilung von unten nach oben, kurz um die Globalisierung. Frauen entdecken die Emanzipation und Frauenpower, Baumeister und Ärzte stellen hergebrachte Traditionen der Wissenschaft in Frage und fordern zeitgemäßes Umdenken. Da wird aktuelle Kirchenkritik in mittelalterliche Klosterkultur verpackt. Subtil führt Follett vor, wie bereits im 14. Jahrhundert Probleme virulent werden, die wir häufig erst als Probleme des 20. Jahrhunderts wahrnehmen. Das ganze wird garniert mit Sex und Crime, Hass und Liebe, Ruhm und Niederlage. Ein historischer Thriller, der förmlich nach einer opulenten Hollywoodverfilmung schreit. Keine Hochliteratur und mit Sicherheit nicht bis ins Detail historisch exakt, aber trotzdem ein Genuss. Einmal angefangen zu lesen, fällt es schwer das Buch wieder aus der Hand zu legen. Ich jedenfalls freue mich auf die zweite Hälfte der 1.300 Seiten.
Follett, Ken: Die Säulen der Erde.
Aus dem Englischen von Gabriele Conrad, Till Lohmeyer und Christel Rost.
HC mit Schutzumschlag: 1151 Seiten.
Bergisch-Gladbach: Lübbe 1990
Lange hat Follett gezögert, eine Fortsetzung von die "Säulen der Erde" zu schreiben. Doch letztlich hat er dem Drängen seiner Leser und seiner (mit Sicherheit auf den gewinn schielenden) Verlegern nachgegeben. Follett dazu:
Ich konnte keinen weiteren Roman über den Bau einer Kathedrale schreiben, denn das wäre dasselbe Buch gewesen. Aber der neue Roman ist in derselben Stadt, Kingsbridge, etwa zweihundert Jahre später angesiedelt und handelt von den Nachkommen der Hauptfiguren in "Die Säulen der Erde". Die Kathedrale und das Kloster sind erneut das Zentrum. Doch im Herzen der Geschichte steht der Schwarze Tod, die Pest, die im 14. Jahrhundert die Hälfte der Bevölkerung Europas dahinraffte.
"Die Tore der Welt" läßt sich selbstverständlich gut lesen, ohne das erste Mittelalterbuch von Ken Follett zu kennen. Doch die vorherige Lektüre von "Die Säulen der Erde" ist empfehlenswert (vor allem für diejenigen, die den Weltbestseller vor 18 Jahren verpaßt haben).