Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2007

Glenn Gould lesen und hören - Eine kurze Notiz zum 75. Geburtstag und 25. Todestag des großen Pianisten

8. November 2007

Am 25. September 1932 wurde Glenn Gould im kanadischen Toronto geboren. Nur 50 Jahre später, am 4. Oktober 1982, starb er an den Folgen eines Gehrinschlages. Viele Pianisten waren vor ihm da und viele folgten ihm; doch nur wenige polarisierten die Urteile von Kollegen, Kritikern und Musikliebhabern so stark wie er. Von "Exzentrisches Genie" bis "Brutaler Musikzerstörer" reichen die Etikettierungen. So viel steht fest: Gould war eigenwillig und von seiner Interpretation immer überzeugt. Über Werktreue ließ er nicht mit sich diskutieren, seine Sicht der Dinge war ihm stets Masstab genug.

GouldGould, Glenn: Von Bach bis Boulez (Schriften zur Musik Bd.1). Hrsg. v. Tim Page. Aus dem Amerikanischen von Hans-Joachim Metzger. 359 Seiten. München, Zürich: Pieper 2002

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Gould, Glenn: Vom Konzertsaal zum Tonstudio (Schriften zur Musik Bd.2). Hrsg. v. Tim Page. Aus dem Amerikanischen von Hans-Joachim Metzger. 321 Seiten. München, Zürich: Pieper 2002

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Den ersten Ruhm, zu Beginn seiner Karriere, verdankte er legendären Auftritten im Konzertsaal. Doch schnell verabschiedete sich der eher scheue Kanadier vom Spielen vor Publikum. Das einsame Aufnahmestudio wurde seine Arena. Nur er, der Flügel und die Noten. Ungestört und abgeschieden kreiste er um sich und die Musik, einziger Zuhörer war das Mikrophon. Später nutze er ebenso geschickt die technischen Möglichkeiten des immer bedeutsamer werdenden Mediums Fernsehen. Zum Mikrophon gesellte sich die Kamera als Beobachter. Locker und humorvoll, bisweilen ein wenig eitel gestaltete er seine eigene Fernsehserie. Doch trotz gelegentlich übertriebener Selbstdarstellung, es war immer die Musik, die im Vordergrund stand.

Ebenso faszinierend wie Gould zu hören (und zu sehen) ist es, ihn zu lesen. Seine Schriften sind eigenwillig und herausfordernd wie sein musikalisches Schaffen. Sie sind im Piper Verlag als zweibändiges Taschenbuchwerk vor einigen Jahren in einer Neuausgabe erschienen. Im ersten Band geht es in erster Linie um sein Verhältnis zu Komponisten und ihren Werken; sowohl die geliebten als auch die verhassten. Dazu wurden zahlreiche Interviews, Aufsätze und Plattencover-Texte versammelt. Der zweite Band beleuchtet Goulds Umgang mit den Medien, seine Experimente im Audio-Studio und vor den Kameras des Fernsehens. Hier kommt vieles zur Sprache, was für das Verständis seiner radikalen Ansichten und Interpretationen äußerst hilfreich ist. Gould-Liebhaber und Gould-Hasser finden hier gleichermaßen Munition für Argumentationen pro und contra Gould. So gesehen eine spannende Lektüre für beide Gruppen.

Gould, Glenn: A State Of Wonder. The Complete Goldberg Variations 1955 & 1981. CD-Boxset. Sony

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Als Einstieg in den Gouldschen Musikkosmos eignet sich eine seiner Aufnahmen ganz besonders: die Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach. Um wirklich exakt zu sein, muss hier eigentlich von zwei Einspielungen gesprochen werden, denn dieses Werk stand exemplarisch einmal am Anfang und dann noch einmal am Ende der Karriere Goulds. Die Aufnahme aus dem Jahr 1955 machte ihn schlagartig berühmt und präsentiert eine perlig-quirlige, fast nervöse, aber immer glasklar akzentuierte Interpretation der Arie und der 30 Variationen. 1981, kurz vor seinem Tod, hat Gould das Stück nochmals aufgenommen, es war seine letzte Studioproduktion. Diemal wirkt Bach ganz anders: gedehnt und gestreckt, mit viel Legato und langen Pausen. Und Gould singt und summt laut mit, ohne Zurückhaltung wie noch in der frühen Aufnahme. Die schön gestaltete CD-Edition "A State Of Wonder" vereint beide Einspielungen der Goldbergvariationen und legt als dritte CD die Aufnahme eines Gespräches vom 22. August 1982 bei. Gould diskutiert mit seinem Biographen beinahe eine Stunde lang über die Interpretation der Bachschen Musik. Sehr höhrenswert.

Zuletzt noch ein Hinweis auf einen wirklich gelungen Dokumentarfilm über Glenn Gould.

Monsaingeon, Bruno: Hereafter. Ein Dokumentarfilm. Ideale Audience/Naxos (DVD)

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In "Hereafter" hat der Autor und Regisseur Bruno Monsaingeon eine Fülle von historischem Material mit und über Glenn Gould zusammengetragen. Der Film vermittelt eindrücklich die Faszination, die Gould als Pianist und Mensch noch heute auf viele ausübt.