30. September 2007
Recherchieren und bibliographieren; für Literaturwissenschaftler sind dies alltägliche Routinen. Doch leichter gesagt als getan. Zahlreichen Studenten fallen diese Arbeiten zu Beginn des Studiums mehr als schwer und mancher lernt es bis zur Abschlussprüfung nicht richtig, sehr zum Verdruss der Dozenten und Professoren. Sie empfehlen deshalb allen Studienanfängern seit mehr als zwanzig Jahren ein Standardwerk: Hansjürgen Blinns "Informationshandbuch Deutsche Literaturwissenschaft". Auch ich habe es damals weidlich genutzt, und als ich mein zerfleddertes Exemplar neulich nochmal aus dem Bücherregal hervorholte, bemerkte ich im Inneren 4-stellige Postleitzahlen und Hinweise auf Bibliotheken und Forschungseinrichtungen in der DDR. Höchste Zeit also für eine neue, aktuelle Ausgabe. Nun liegt sie vor mir, die vierte, erheblich erweiterte und völlig überarbeitete Auflage vom Januar 2005. Und ich muss gestehen, obwohl ich mich inzwischen längst nicht mehr zu den aktiven Lehrenden oder Lernenden Literaturwissenschaftlern zählen darf, dies Büchlein ist nach wie vor äußerst hilfreich.
Blinn, Hansjürgen: Informationshandbuch Deutsche Literaturwissenschaft.
Vierte, völlig neu bearbeitet und stark erweiterte Auflage. Mit Internet- und CD-ROM-Recherche.
Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch 2005
Nicht nur für Literaturwissenschaftler sind Bibliographien und erfolgversprechende Recherchetechniken wichtig. Jeder, der gezielt nach Literatur über oder von einem bestimmten Autor sucht oder Informationen sammeln möchte zu bestimmten Gattungen und Epochen, wird aus diesem Buch Honig saugen. Blinn liefert einen zuverlässigen Überblick über alle wirklich wichtigen und nötigen Bücher, Kataloge und Hilfsmittel. Die Fülle des Materials - hier finden sich neben 1.500 Einzeltiteln (Einführungen, Handbücher, Lexika, und Adressbücher) unter anderem auch mehr als 1.000 Adressen von Institutionen (literarische Gesellschaften, Museen, Fachbibliotheken und Gedenkstätten) - ist dabei sehr übersichtlich geordnet. Und ein einführender Teil hilft allen auf die Sprünge, die das richtige Bibliographieren niemals ge- oder schon wieder verlernt haben sollten.
Besonders hilfreich für den literaturwissenschaftlichen Laien sind in erster Linie die Verzeichnisse von Personal- und Sachbibliographien. Ein Blick in den "Blinn" sollte stets Startpunkt jeder gezielten Recherche sein. Man erspart sich nämlich viel unnötige Arbeit, wenn die Hinweise aus dem Informationshandbuch befolgt werden. Ich habe es bei mehreren Autoren und Themen überprüft; auf Blinns Angaben ist nach wie vor Verlass. Ebenso hilfreich: die Adresslisten der literarischen Gesellschaften (Anschriften, Telefonnummern, e-mail Adressen und Webseiten, soweit vorhanden).
Ein ganzes dickes Lob aber muss dem "Informationshandbuch" gezollt werden, weil auch die sogenannten neueren Recherchetechniken in die vierte Auflage Einzug gehalten haben. Kurz gesagt, Blinn hat das Internet und die Nutzug von CD-ROMs und elektronischen Datenbanken berücksichtigt. Auch hier findet der interessierte Laie viel, was er bislang vielleicht noch nicht kannte. Ich war selbst überrascht, wie viele literaturwissenschaftliche Quellen und Biblographien im Internet oder an Universitäts- und größeren Stadtbibliotheken frei zugänglich sind. Ein weites Feld für gezielte Recherchen und genauso gut für zielloses und dennoch kurzweiliges Stöbern.
Wer sich über das reine Lektürevergnügen hinaus für Literatur, Literaturwissenschaft, Literaturdidaktik, Theaterwissenschaft und Medienkunde interessiert, kurz: wer jemals tiefer einsteigen will in die Materie Literatur, kommt um dieses Handbuch nicht herum. Es ist kurz, knapp, präzise und aktuell. Ganz einfach, es ist unverzichtbar.