Mai 2006
Wieder einmal legt der Phaidon Verlag ein wahrhaft opulentes Bilderbuch auf den Tisch. Mit über 5.500 Fotos und 2.000 Bauplänen lädt der "Atlas of Contemporary World Architecture" zum Blättern und Schauen ein. Wer diesen großformatigen Band erst einmal aufgeschlagen hat, ist verloren. Die Zeit verfliegt und bis man sich sattgesehen hat, vergehen schnell einige Stunden.
The Phaidon Atlas of Contemporary World Architecture.
824 Seiten im Großformat. Durchg. farb. bebildert.
London, Berlin: Phaidon 2004
Doch neben dem reinen Schaueffekt bietet dieser Bildband allen an Architektur Interessierten auch einen hohen Gebrauchswert. Die Bezeichnung Atlas im Titel des Werkes ist nämlich wörtlich zu nehmen. Alle aufgeführten Bauten sind nach geographischen Regionen geordnet und wie es sich für einen guten Atlas gehört gibt es spezielle Übersichts- und Detailkarten, auf denen die Standorte der Bauwerke verzeichnet sind. Hinzu kommt ein übersichtliches System von Infoleisten, mit dessen Hilfe der Leser durch das Buch geführt wird. Und obwohl hier eine unglaubliche Vielfalt globaler Architektur aus ganz unterschiedlichen kulturellen Regionen präsentiert wird, verliert der Leser zu keiner Zeit den nötigen Überblick.
Der "Phaidon Atlas of Contemporary World Architecture" will einen Abriss der Architektur des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts bieten. Die einzelnen Bauprojekte sind überwiegend ganzseitig, stellenweise aber auch doppelseitig, dargestellt. Neben die Werke etablierter und international anerkannter Architekten werden ganz bewußt Arbeiten der jüngeren Generation aufstrebender Baukünstler gestellt. So entwickelt sich ein spannender Dialog, in dem immer wieder Form und Funktion der einzelnen Bauwerke überprüft und das künstlerische Selbstverständnis der Architekten in Frage gestellt werden.
Eine Jury von 150 führenden Persönlichkeiten der internationalen Architekurszene - Kritiker, Kuratoren, Journalisten, Akademiker und Vertreter aus der Praxis - hat die Auswahl für diesen Bildband getroffen. Das gesamte Spektrum architektonischer Arbeiten, alle in den Jahren 1998 bis 2003 fertiggestellt, wird abgedeckt. Es finden sich alle Gebäudetypen, vom kleinsten bis zum größten: von Wohnhäusern, Kapellen, Weinkellern und Schulen über Gerichtsgebäude, Bibliotheken, Hotels und Botschaften bis hin zu Industriebauten, Flughäfen und Wolkenkratzern. Gleiche Bauwerkstypen lassen sich über entsprechende Kürzel wie CUL für Kulturbauten oder RES für Wohnbauten schnell im gesamten Atlas orten. Auch die wichtigsten bautechnischen Daten - bis hin zu den Gesamtkosten - sind jeweils verzeichnet.
Der "Phaidon Atlas of Contemporary World Architecture" bietet also tatsächlich das, was er in seinem Titel verspricht: eine Weltreise durch die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen der heutigen Architektur. Es ist eine Weltreise, die den eigenen Horizont kräftig erweitert, denn keine andere Kunstform prägt unseren Alltag so intensiv und unmittelbar wie die Architektur. Leicht zu verkraften ist, daß dieses überragende und opulente Kompendium nur in englischer Sprache vorliegt, viel schwerer wiegt leider der Preis von 150 Euro (Stand: November 2004). Wer sich jedoch einige Zeit mit dem Buch beschäftigt hat, wird mir beipflichten, der "Phaidon Atlas" ist jeden Euro wert.