Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2005

Alles außer staubtrocken - Bill Bryson und seine kurze Geschichte von fast allem

Mai 2005

Am Anfang stand ein traumatisches Erlebnis. In einem Schulbuch entdeckte der kleine Bill eine Abbildung, auf der man den heißen und flüssigen Kern unseres Planeten sehen konnte. Dieses Bild veranlaßte den kleinen Bill sofort zu weiteren Fragen. Zum Beispiel: "Warum verbrennen wir uns am Erdboden nicht die Füße, wenn das Erdinnere so heiß ist?" Und vor allem: "Woher wissen die das alles?" Doch leider war das Buch, abgesehen von der aufregenden Abbildung, sterbenslangweilig und lieferte nicht einmal ansatzweise Antworten auf die Fragen des wissbegierigen Jungen. Die Enttäuschung des kleinen Bill war, bei allem Mitgefühl, ein Glück für uns. Denn nur deshalb können wir heute die großartige, urkomische und lehrreiche "kurze Geschichte von fast allem" lesen.

Bryson Bill Bryson,
Eine kurze Geschichte von fast allem

672 Seiten
Goldmann Verlag

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In seinem Buch begleitet uns der vor allem durch seine kurzweiligen Reisebücher bekannt gewordene Bestsellerautor Bill Bryson auf eine atemberaubende Tour durch Raum und Zeit. "Eine kurze Geschichte von fast allem" ist ein vergnüglicher und faktenreicher Streifzug durch die Naturwissenschaften. Bryson versucht all die Fragen zu beantworten, die im Schulunterricht unbeantwortet blieben. Staubtrockene Theorien, langweilige Lehrwerke und Lehrer, die nicht in der Lage sind, ihre Schüler mitzureißen oder zu begeistern; jedem von uns ist das wohl bekannt. Und doch stehen wir immer wieder staunend vor der Vielfalt der Natur, ohne recht erklären und begreifen zu können, warum das alles so ist, wie es ist.

Auch Bill Bryson erging das auf seinen Reisen immer wieder so. Getrieben von einer angeborenen und unersättlichen Neugier, vergrub er sich deshalb in einen gewaltigen Bücherberg mit naturwissenschaftlichen Werken. Angefangen bei Klassikern wie Newtons "Principia Mathematica" und Einsteins "Allgemeine und spezielle Relativitätstheorie" bis hin zu neuesten Forschungsberichten aus Quantenphysik, Astronomie, Biologie und Chemie, Bryson ging bei den führenden Köpfen aus Forschung und Wissenschaft in die Lehre. Wo immer es möglich war, ließ er sich die Arbeiten und Theorien von den Wissenschaftlern, darunter zahlreiche Nobelpreisträger, persönlich erläutern.

Worum geht es? Zum Beispiel darum: das Universum und seine Entstehung; die Feinheiten der Teilchenphysik; die Wunder der Tiefsee und die Entstehung des Lebens; Mikroorganismen und Fossilien; die Entdeckung der DNA und die Entwicklung des Menschen. Und weil sich Bryson nicht nur für die Theorie, sondern genauso für die Theoretiker selbst interessierte, gelangen ihm neben der verständlichen Darstellung der Wissenschaft auch hinreißende Porträts der Wissenschaftler, denen wir all diese Fakten verdanken. In diesem Buch wimmelt es vor Genies und skurrilen Typen, verkannten Entdeckern, passionierten Amateuren, sowie unglaublichen Zufällen und peinlichen Irrtümern. Denn Wissenschaft ist ein Teil des Lebens und Wissenschaftler sind auch nur Menschen, also irren sie und machen bisweilen Fehler. Nicht nur den Säulenheiligen der Zunft widmet sich Bryson, sondern auch den Sonderlingen, den Vergessenen und den Hobbyforschern. Da gibt es den australischen Reverend, der mit seinem kleinen Fernrohr mehr Supernovae entdeckt hat, als alle modernen Hochleistungsteleskope zusammen. Oder den britischen Gentleman, der Muscheln in seinem hohlen Gehstock aus einem Museum schmuggelte. Oder den Mann, der uns nicht nur das Blei im Benzin bescherte, sondern die FCKW gleich oben drauf.

Wer sich auf Brysons Reisebericht durch die Welt der Naturwissenschaft einläßt, wird hin- und hergerissen zwischen großäugigem Staunen und schallendem Gelächter. "Eine kurze Geschichte von fast allem" ist lehrreich, fundiert und hochkomisch. Mag Bryson auch mitunter ein wenig zu sehr glätten und vereinfachen, mag es ihm hier und da etwas an der wissenschaftlichen Genauigkeit mangeln, mag er sogar von einigen Wissenschaftlern als Scharlatan und Faktenverbieger bezeichnet werden, für den normalen Leser, der neugierig ist auf die Wunder der Welt, liefert Bryson in dreißig Kapiteln ein faszienierendes und verständliches Kompendium. Dieses Buch legt man ungern aus der Hand, wenn man erst einmal angefangen hat zu lesen. Und selbst wenn Sie schon eine Menge über das Universum und den ganzen Rest wissen: Dieses Buch hält garantiert auch für Sie noch einige Überraschungen bereit.

Auf Initiative der Zeitschrift "bild der wissenschaft" wählt bereits seit 12 Jahren eine Jury aus Journalisten und Publizisten die wichtigsten und besten Wissenschaftsbücher des Jahres. In der Kategorie "Überblick – das Buch, das den Hintergrund eines Themas am besten ausleuchtet" ist die Wahl 2004 auf Bryson gefallen. Diese Auszeichnung hat das Buch verdient.