Februar 2003
Am 2. Dezember 2001 war es soweit. Auf der Berliner Museumsinsel wurde die "Alte Nationalgalerie" nach dreijähriger Sanierung feierlich wiedereröffnet. Gleichzeitig wurde der 125. Geburtstag der Nationalgalerie als Institution gefeiert. Der prächtige Bau in Form eines griechischen Tempels ist das erste Gebäude, das nun in neuem Glanz demonstriert wie die gesamte Museumsinsel mit seinen insgesamt fünf großen Häusern nach der aufwendigen und kostenintensiven Restaurierung ausehen wird.
Die Nationalgalerie.
Hrsg. von Peter-Klaus Schuster
458 Seiten mit über 300 farbigen und 150 s/w-Abbildungen
Dumont Verlag
Für viele Berliner Kunstfreunde ist die Alte Nationalgalerie, in der seit der Wiedereröffnung ausschließlich die Sammlungen mit Kunstwerken des 19. Jahrhunderts gezeigt werden, gewissermaßen das Flagschiff der Staatlichen Museen. Dabei wird von vielen angesichts der monumentalen architektonischen Hülle und der kunstgeschichtlich so bedeutenden Füllung die politisch-historische Bedeutung des Hauses und der Institution leicht übersehen. Das von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. in Auftrag gegebene Haus kann nämlich mit Fug und Recht als Monument deutscher Geistes- und Kulturgeschichte bezeichnet werden. Der königlichen Gemäldesammlung wurde hier eine sinnstiftende Hülle verpaßt, indem die nationale Identität, die Geburt der Nation aus dem Geist der Kunst betont wurde. Kaum je ist deutsche Geschichte so sehr Museumsgeschichte geworden wie am Beispiel der Berliner Nationalgalerie.
Von Ihren Anfängen bis heute hat sich dabei die Nationalgalerie als Museumsinstitution und Schatzkammer der Modernen Kunst von ihren Anfängen um 1800 bis zur Gegenwart stetig gewandelt. Inzwischen ist die Sammlung auf fünf Häuser verteilt. Daran ist zu großen Teilen natürlich der 2. Weltkrieg und die daraus resultierende Deutsche Teilung schuld. Die Sammlung wurde zerissen, auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs verteilt und dort jeweils unabhängig voneinander weitergeführt.
Die Wiedervereinigung war dann für die Nationalgalerie ebenso Glücksfall wie enorme Herausforderung; galt es doch die Sammlungen schnellstmöglich wieder unter einem Dach zusammenzuführen und auch die Mitarbeiter für diese schwierige Aufgabe zu motivieren. Spätestens mit der Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie gilt dieser Prozess mit all seinen Opfern und Schwierigkeiten jedoch als überaus erfolgreich abgeschlossen.
Im Zentrum des vorliegenden Prachtbandes steht ein aufwändiger Farbteil, in dem über 200 der wichtigsten Werke der Nationalgalerie mit Bildkommentaren vorgestellt werden. Darunter Meisterwerke des 19. Jahrhunderts von Feuerbach, Friedrich, Menzel, Schinkel und Liebermann, Meisterwerke des Impressionismus von Monet, Renoir und Cezanne, die Expressionisten Heckel, Kirchner, Schmidt-Rottluff, die klassische Moderne mit Picasso, Klee und Kandinsky, die großen Abstrakten Nay, Newman und Pollock, die Popartisten Warhol und Liechtenstein, der unvergessene und immer noch umstrittene Beuys, die jungen Wilden und die Neo-Realisten und Videokünstler der Gegenwart.
Hinzu kommen historische und programmatische Darstellungen, die über die Tradition der Nationalgalerie als Ganzes und ihre einzelnen Häuser (Alte Nationalgalerie, Friedrichswerdersche Kirche, Neue Nationalgalerie, Sammlung Berggruen und Hamburger Bahnhof - Museum der Moderne und Sammlung Marx) informieren. Reich illustrierte Chronologien und Verzeichnisse, darunter ein großes Glossar mit über 100 Namen und Begriffen (von "Aufsichtspersonal" über "Carl Justi" und "Mies van der Rohe" bis zu "Förderung" und "Stifter"), schließen den Band ab. Dieses Buch, herausgegeben vom Generaldirektor der Staatlichen Museen und Direktor der Nationalgalerie Peter-Klaus Schuster, ist ein üppiger Sehspaß und ein Vergnügen für Bilderliebhaber, Museumsbegeisterte und historisch Interessierte gleichermaßen.