Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2003

James Bond, Berlin und Hollywood - Die Welten des Ken Adam beschrieben von Alexander Smoltczyk

April 2003

Sein Markenzeichen ist die Zigarre, die legt er nie aus der Hand, wenn er über sein Leben und seine Arbeit berichtet. Inzwischen ist Ken Adam über 80 Jahre alt und sein knarziges, kurzes Lachen verrät, daß es viele Zigarren gewesen sein müssen, die er in seinem ebenso langen wie ereignisreichen Leben genossen hat. Egal wo er auftaucht, seine Zuhörer kleben an seinen Lippen. Schließlich ist Ken Adam der Mann, der James Bond gemacht hat.

Ken AdamAlexander Smoltczyk: James Bond, Berlin und Hollywood - Die Welten des Ken Adam

Geb., 260 Seiten mit 69 farbigen und 86 Abb. im Duotone
Berlin: Nicolai 2002

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Geboren wurde Ken Adam 1921 in Berlin als Sohn des jüdischen Kaufmannes Fritz Adam, dem Inhaber eines großen Mode- und Sportgeschäftes. Damals hieß er noch Klaus Hugo und wächst gut behütet in einer eleganten Villa im Tiergarten auf. 1934 flüchtet die ganze Familie nach England. Klaus studiert zunächst Architektur und arbeitet als Zeichner, bevor er mit 17 Jahren zur Air Force geht. Als junger Kampfpilot fliegt er als einziger Deutscher in der Royal Air Force auch Einsätze in seinem alten Heimatland. 1948 dann der erste Kontakt mit dem Film: Ken Adam, wie er sich jetzt nennt, zeichnet für die britische Produktion "This was a Woman". Über seine Schwester Loni, die in der amerikanischen Botschaft arbeitet bekommt er Kontakt nach Hollywood, wo er 1949 als ersten Auftrag den Entwurf und Bau der Schiffsflotte für "Des Königs Admiral" mit Gregory Peck überwacht.

In den nächsten Jahrzehnten entwickelt er langsam seinen eigenen Stil, der dann spätestens mit den ersten James-Bond-Filmen zum unnachahmlichen Markenzeichen wird. Insbesondere die Interieurs zu "James Bond jagt Dr. No" machen ihn schlagartig berühmt und zu einem der gefragtesten Production Designern weltweit. Zu den Regisseuren, mit denen er in seiner langen und immer noch anhaltenden Karriere gearbeitet hat gehören u.a. Robert Aldrich, Stanley Kubrick, Robert Siodmak, Bernardo Bertulucci und Istvan Szabo. 1956 wird er für den Film "In achtzig Tagen um die Welt" (mit David Niven) erstmals für einen Oscar nominiert. Bekommen hat er ihn erst viel später, nämlich 1975 für "Barry Lyndon". Es sollten unzählige Ehrungen und Preise folgen - bis heute.

Für seine Biographie hat er dem Berliner Journalisten Alexander Smoltczyk nicht nur in langen Gesprächen offen Rede und Antwort gestanden, sondern auch sein privates Fotoarchiv weit geöffnet. Diese zahlreichen und bisher meist unveröffentlichten Bilder, die Adam privat und bei der Arbeit zeigen, machen den Wert des Buches aus. Hinzu kommen zahlreiche Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen, auf denen sich die unverwechselbare Handschrift Adams genau studieren läßt. Es sind oft nur wenige Grundelemente, Kreise, Dreiecke und Quadrate, die sich wie von Zauberhand zu großartigen Welten zusammenfügen. Bedrohliche Schrägen, dramatisch einfallendes Licht, Anklänge an den expressionistischen Stummfilm: das ist das, was schnell als Ken-Adam-Style bezeichnet werden sollte. Daß ihm dabei die Schaltzentralen der Bond-Bösewichter besonders gut gelungen sind, mag vielleicht mit seiner Biographie und der Verfolgung durch die Nazis zusammenhängen; er selbst allerdings lacht nur, wenn ihm das entgegengehalten wird. Immerhin habe er schließlich auch die bonbonbunten Sets für "Tschitty, Tschitty Bäng Bäng" entworfen. (Aber, gibt es da nicht auch diesen fiesen Schurken, der alle Kinder der Welt gefangen nehmen möchte!?)

Genauso komisch findet Adam bis heute die Anekdote, die von Ronald Reagan berichtet wird. Der, gerade zum erstenmal zum Präsidenten vereidigt, wollte sofort den War Room der US-Streitkräfte sehen. Seine Enttäuschung war maßlos, als er feststellen mußte, daß es diesen War Room nicht gibt. In "Doktor Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben" habe er ihn aber gesehen, entgegnete der Präsident, der sei so einzigartig gewesen, der könne doch nur echt gewesen sein! Nein, war er nicht, es war eine Erfindung von Ken Adam.

Mit Anekdoten dieser Art geht Smoltczyk in seinem Buch zum Glück eher sparsam um. Er bleibt die meiste Zeit sehr zurückhaltend in seinen Beschreibungen und vermeidet es, bis auf wenige Ausnahmen, seinen Helden zu überhöhen oder zu verehren. (Keine Angst: es gibt trotzdem genug wundervolle Geschichten um Sean Connery, Stanley Kubrick, Marlon Brando und und und ...) Smoltczyk ist kein Filmjournalist, ihn hat deshalb in erster Linie einfach nur das untergründige Drama im Leben des Ken Adam interessiert, ein Drama, das sich zum Schluß doch so wohl gerundet hat. "James Bond, Berlin, Hollywood - Die Welten des Ken Adam" zeigt den großartigen Filmarchitekten als einen warmherzigen, humorvollen Mann, der übersprudelt vor Ideen und Einfällen. Nach der Lektüre steht deshalb unumstößlich fest: Ken Adam, das ist der wahre Mister Q.