September 2002
Wer was weiß, wird reich! Millionen scheffeln mit Allgemeinbildung, die Quizshow als Bildungsinstrument für die deutsche Fernsehnation. Die Quizshow als Volkssport. Gleichzeitig lamentieren Pädagogen und Politiker über den Schiffbruch unseres Bildungssystems. Was Jauch, Pilawa, Kock am Brink und Co. abend für abend abfragen, werde von Schulen nicht mehr vermittelt. Die Bildung der Deutschen stecke in der Misere.
Dietrich Schwanitz. Bildung - Alles, was man wissen muss.
Vierfarbig illustrierte Sonderausgabe mit 487 Seiten.
Frankfurt/M.: Eichborn Verlag 2002
Aber was gehört zum Allgemeinwissen und wie sieht der Bildungskanon des Mitteleuropäers aus? Welches Wissen und welche Fähigkeiten sind nötig, um im neuen Jahrtausend als gebildet zu gelten? Dietrich Schwanitz, seit seinem Romanerfolg "Der Campus" als wacker durch Talkshows tingelnder und brilliant parlierender Ex-Hochschulprofessor bekannt, versucht Antworten zu geben. Mit seinem Handbuch der abendländischen Bildung will er uns den Ausgang aus der Bildungsmisere weisen.
Schwanitz zementiert stabile Fundamente: die griechische Antike, die Bibel natürlich, das Wichtigste aus Philosophie und Wissenschaft, Grundlegende Fakten aus Wirtschaft und Politik, alles wird gerafft, oft augenzwinkernd und nicht ohne den nötigen Humor präsentiert. Fakten, Fakten, Fakten für den Bildungshungrigen. Der erste Teil des Schwanitzschen Handbuches ist nichts anderes als ein flott zusammengestelltes Lexikon der Wissenshäppchen, ein Schweinsgalopp durch die mitteleuropäische Kultur, frei nach dem Motto: "Bildung für Dummies".
Die Zahl der Themen, über die es laut Schwanitz bescheid zu wissen gilt, ist nicht eben klein. Und wer das Handbuch der Bildung als Grundlage für intensivere Studien versteht, wird nach der Lektüre des Werkes nicht drumherum kommen, das eine oder andere erwähnte Buch im Original zu lesen. Wer dieses oder jenes Häppchen, das ihm Schwanitz präsentiert, einfach auswendig lernt, kann auf der nächsten Party vielleicht schon Eindruck schinden, vielleicht aber auch einfach als Langweiler und Dummplauderer ganz schnell im Schmollwinkel landen.
Etwas nur zu wissen, das reicht eben nicht, man muss es auch richtig anwenden können. Wie das geht erläutert Schwanitz im zweiten Teil seines Basiswerkes. Nach "Wissen" kommt "Können", gewissermaßen die Anleitung für den perfekten Bildungs-Bluff. Hier stellt Schwanitz Regeln auf, nach denen man unter Gebildeten kommuniziert und fügt gleich hinzu, daß dieses Kapitel keinesfalls übersprungen werden darf.
Wer dieses "Handbuch der Bildung" bierernst nimmt, ist selber schuld. Schwanitz, das unterstelle ich ihm einfach einmal, erhebt mit Sicherheit keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit und verspricht auch nicht die alleinseligmachende Anleitung für Bildung. Wer sein Buch als augenzwinkernde und mitunter ironische Anregung versteht, selber weiter zu forschen und wieder neugierig zu werden, der versteht es meiner Meinung nach richtig.