Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2002

Geheimnisvolle Bildwelten - Das Gesamtwerk von Hieronymus Bosch

August 2002

Jeronimus B. van Aken, um 1540 geboren im niederländischen 's-Hertogenbosch, begraben ebenda am 9. August 1516. Nur wenig ist über den Maler bekannt, der sich später nach seiner Heimatstadt nur noch Hieronymus Bosch nannte. Sein gesamtes Leben hat er eben dort in 's-Hertogenbosch verbracht. Nicht nur seine Biographie, sondern auch sein Werk gibt den Kunsthistorikern bis heute viele Rätsel auf.

BoschHieronymus Bosch,
Das Gesamtwerk

224 Seiten mit 210 Abbildungen
Belser Verlag

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Dabei sind es gerade einmal 30 Gemälde, die zweifelsfrei von seiner Hand geschaffen wurden. Alles andere, so viel steht inzwischen fest, stammt von Nachahmern, Kopisten und Fälschern. Doch das, was auf den verbliebenen 30 Bildern von Bosch zu sehen ist, wirkt bis heute kryptisch, widersprüchlich und düster-grotesk. So ist auch kaum verwunderlich, daß sich um die phantastischen Bildwelten des Hieronymus Bosch unzählige Mythen und Erklärungsversuche ranken. Doch je tiefer der Betrachter vordringt in die Welt des Hieronymus Bosch, desto unergründlicher wird das eigentlich so überschaubare Werk des Niederländers. Mit Sicherheit haben im Mittelalter mehr Menschen als in unserer Zeit die vielen Anspielungen verstanden, heute streiten sich die Forscher über die genaue Bedeutung der Allegorien. Doch gerade das Geheimnisvolle und Phantastische ist es, das die Sogwirkung dieser Gemälde voller Fratzen, geheimnisvoller Wesen und surrealer Landschaften ausmacht.

Bosch war Mitglied der Liebfrauen-Bruderschaft in 's-Hertogenbosch. Durch seinen selbst erworbenen Status als Kunstmaler und durch eine vorteilhafte Heirat mit einer Kaufmannstochter stieg er in die höheren Kreise der Stadt auf. Diverse religiöse Einrichtungen und das wohlhabende Bürgertum sorgten für eine zufriedenstellende Auftragslage in der Familienwerkstatt der Boschs, denn Hieronymus war der Sprößling einer heute vergessenen Malerdynastie - mit Ausnahme seiner Person.

Im vorliegenden Prachtband "Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk" gehen die Experten erneut auf Spurensuche. Sie zeigen, daß Bosch hoch gebildet war, mitunter zeitgenössische Kupferstiche und Holzstiche als Vorlagen benutzte und sich auch aus gedruckten Büchern und Handschriften Anregungen besorgte. In genauen Analysen wird gezeigt, wie sich der Betrachter unserer Zeit den Bildwelten Boschs zu nähern hat. Dabei wird eine "neuartige Profanikonografie" offengelegt, in die der Maler seine christlich-religiösen Allegorien eingebettet hat. Überall finden sich Anspielungen auf Versuchungen, Todsünden und Höllenstrafen. Natürlich wundert es niemanden, daß dabei immer wieder deutlich betont wird, wie sehr Bosch eigenwillig vom damals gängigen Zeitgeist abgewichen ist.

Die Texte des Bandes stammen von Jos Koldeweij, Bernard Vermet und Paul Vandenbroeck; alle drei gelten als ausgesprochene Kenner des Bosch'en Oeuvres. Bei vielen Bildern ist immer noch nicht vollständig geklärt, ob sie von Bosch alleine gefertigt wurden oder nur aus seiner Werkstatt stammen, also gewissermaßen das Produkt eines "Künstlerkollektives" sind. Ohne Zweifel aber gilt, daß die Bilder von Hieronymus Bosch über die Jahrhunderte hinweg prägend für andere Künstler waren und daß sie die Aufmerksamkeit der Betrachter stets magisch angezogen haben.

Dieser Bildband mit seinen vielen Detailvergrößerungen ist für jeden Kunstinteressierten ein idealer Reiseführer in die schaurig-surrealen Wunderwelten des Malers aus 's-Hertogenbosch.