Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2001

Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels - Fermats letzter Satz

September 2001

Herbst 1998. Internationales Congress Centrum Berlin. Der Mathematiker Kongress tagt. Hunderte von Wissenschaftlern aus aller Welt tauschen Ergebnisse aus, halten Vorträge und Workshops. Mittendrin ein unscheinbarer Brite: Andrew Wiles. Doch dieser Mann ist der unumstrittene Star der Veranstaltung, denn er hat Mathematik- und Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Andrew Wiles hat Fermats letzten Satz bewiesen, und damit ein 350 Jahre altes Rätsel der Mathematik endlich gelöst. Dafür bekommt Wiles auf dem Kongress den am höchsten dotierten Preis verliehen, den es in der Welt der Mathematik zu erringen gibt; gewißermassen den Mathe-Oscar.

SinghSimon Singh,
Fermats letzter Satz

Hanser Verlag
368 Seiten

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Der britische Wissenschaftsjournalist Simon Singh hat die 350-jährige Geschichte der Fermatschen Vermutung bis hin zur Lösung durch Andrew Wiles nacherzählt und herausgekommen ist ein spannender Wissenschaftskrimi. Alles begann im Jahre 1653: a(2)+b(2)=c(2) - den berühmten Satz des Pythagoras kennen wir alle noch aus der Schule. Der französische Jurist Pierre de Fermat behauptete damals, die Gleichung a(n)+b(n)=c(n) - sprich: a hoch n plus b hoch n gleich c hoch n - sei unlösbar für alle positiven ganzzahligen n größer als 2. Und nun kommt das Rätsel. An den Rand des Heftes schrieb Fermat. "Für diese Behauptung habe ich einen wunderschönen Beweis gefunden, doch leider ist dieser Rand zu schmal um ihn zu fassen."

Seitdem puzzeln Mathematiker, Zahlenbesessene, Computerfreaks und verwirrte Spinner an der Lösung, mal mehr und mal weniger ernsthaft. Es ist erstaunlich, daß eine so einfache und leicht verständliche Behauptung sich so lange einer Lösung widersetzen konnte. Aber es hat sich Schritt für Schritt gezeigt, daß das Fermatsche Problem das Gebäude der gesamten Mathematik betrifft.

Die Lösung, die Andrew Wiles (schon im zarten Alter von 10 Jahren begann er sich für Fermat zu interessieren) schließlich gefunden hat ist derart kompliziert, daß selbst unter den besten der besten Mathematikern, so heißt es, nur 10 Prozent in der Lage seien, sie wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen. Knappe 180 Seiten lang ist sein Beweis der Fermatschen Vermutung, ein Text der unter Mathematikern als wahres Meisterwerk gilt. Und das was Wiles niedergeschrieben hat, einem Laien zu erklären sei schlicht unmöglich.

Und gerade hier beginnt Singhs Buch, das auf einer Fernsehreportage basiert, die er für die BBC produziert hat, seine ganze Faszination zu entfalten. Er beschreibt die Beschäftigung mit Fermats letztem Satz als eine Geschichte der Triumphe und des Versagens, als eine Kette von Intrigen und Tragödien. Im Mittelpunkt stehen Männer (und wenig Frauen), deren Schicksal mit Fermats Satz fest verwoben ist. Nebenbei wird die gesamte Geschichte der Mathematik von der Antike bis zur Gegenwart abgehandelt.

Singh gelingt es, die Atmosphäre in denen Mathematiker arbeiten und die Spähren, in denen sie denken, packend zu beschreiben. In vielen Nebengeschichten werden uns diese Menschen als leidenschaftliche Wesen mit zum Teil tragischen Schicksalen näher gebracht. Mathematik wird bei Singh zur spannenden Materie, ganz anders als sie viele (zu viele) von uns in der Schule erlebt haben. 1998 wurde "Fermats letzter Satz. Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels" zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt. An seiner Spannung und Faszination hat es auch drei Jahre später nichts verloren.