Juli 2001
Auf den schwedischen Bestsellerliste fanden sich Anfang des Jahres unter den ersten sechs Titeln vier von Liza Marklund. Das zeigt wie erfolgreich sie in ihrem Heimatland ist. Mit ihrem Roman "Olympisches Feuer" hat sie im letzten Jahr auch in Deutschland viele neue Fans gewonnen. Nun kommt mit "Studio 6" der zweite Krimi von Liza Marklund auf Deutsch und wieder schickt sie die junge Journalistin Annika Bengtzon auf die Spuren eines Verbrechens.
Liza Marklund,
Studio 6
416 Seiten
Hoffmann & Campe
Eine Stripperin wird nackt in einem kleinen Park in der Stockholmer Innenstadt gefunden. Sie wurde ermordet. Annika Bengtzon, junge Aushilfsjournalistin bei einem Boulevardblatt, wird mit der Story beauftragt. Gegen den Widerstand fieser Karrieristen in der Redaktion und der Gewerkschaften entwirrt Annika geduldig das verschlungene Knäuel, als das sich dieser zunächst so einfach scheinende Fall erweist. Alte Geheimdienstakten, die mitten im Wahlkampf auftauchen. Politische Mauscheleien und Postengeschacher. Minister und hohe Beamte in einem Pornoclub. Der Kampf der Medien um Auflage und Einschaltquote. Diskussionen über die Ethik der Presse, Pornos und Schlagzeilen. Das sind nur einige der vielen Elemente, die Liza Marklund in ihrem Roman zum Reagieren bringt.
Gleichzeitig ist das Buch eine Art Schlüsselroman - wie schon "Olympisches Feuer" trägt auch "Studio 6" die Züge einer Wohin-ist-Schweden-unterwegs-Erzählung. In erster Linie werden Politiker, Verwaltungen und die Medienindustrie angegriffen. Und, als wenn das noch nicht genug ist, ist dies auch noch ein feministischer Roman voller guter Großmütter, weiblicher Gemeinschaft, unterdrückender und Gewalt ausübender Männer, sowie patriarchalischer Chefs.
Das hängt zweifelsohne mit Marklunds eigener Biographie zu tun. Sie hat selbst als Journalistin gearbeitet und sich in der Männerwelt der Medien bis ganz nach oben gearbeitet. Viele ihrer Artikel und Fernsehbeiträge waren Auslöser für Parlamentsdebatten und Entlassungen von hohen Politikern.
Marklund kennt die Atmosphäre in den Redaktionen der Boulevardblätter, weiß wie junge Journalisten kämpfen müssen um Zeilen und Anerkennung, sie selbst hat jahrelang die Stockholmer Innenstadt durchstreift, bei Nachtdiensten förmlich im Blut gestanden und dann darüber geschrieben. Und Liza Marklund schafft es, diese ihr so bekannte Atmosphäre, gut verdichtet zwischen die Seiten ihres Romans zu packen.
"Studio 6" spielt acht Jahre vor dem Debütroman "Olympisches Feuer". Annika Bengtzon ist ein Neuling im Gewerbe. Ihre persönliche Geschichte, ihre Jugend auf dem Land, die Emanzipation aus der spießigen Welt der Eltern, all das spielt in "Studio 6" eine ebenso große Rolle wie der Kriminalfall; die tote Stripperin und Annika haben vieles gemeinsam, z.B. den Wunsch eine Karriere als Journalistin zu machen, aber vor allem haben sie Gewalt durch Männer erfahren.
Liza Marklund versteht es blendend, diese verschiedenen Perspektiven und Ebenen zu mischen. Sie schreibt mit Schmiß, Mut und sprachlicher Vitalität. Mit Recht kann sich Liza Marklund in Schweden was Popularität und Auflage anbelangt mit ihrem Kollegen Henning Mankell längst messen. Und nach dem düsteren Kurt Wallander gleicht Annika Bengtzon einer wandelnden Vitaminkur für den schwedischen Kriminalroman.