Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2001

Aufbruch zum Mond - Michael Light zeigt NASA-Fotos in höchster Qualität

April 2001

Es ist ein wundervolles Gefühl, dieses Buch mit dem festen, extradicken Karton-Einband aufzuschlagen. Das Format ist fast quadratisch, 30 cm Seitenlänge. Und hat man dann die ersten Seiten umgeblättert, ist man sofort gefangen von den Bildern. Dabei ist nicht wirklich neu, was wir hier sehen. Doch nie haben wir es in einer so hervoragenden Qualität gesehen.

Full MoonMichael Light: Full Moon - Aufbruch zum Mond

Geb., 245 Seiten im Großformat
mit 57 s/w- und 72 Farbabbildungen
München: Frederking u. Thaler 1999


ACHTUNG! Die hier besprochene Ausgabe ist inzwischen leider vergriffen. Das Buch ist nur noch in kleinerem Format und drucktechnisch geringerer Qualität erhältlich. - Trotzdem bestellen!

Der Himmel im All ist tiefschwarz, gestochen scharf hebt sich der Mond im Vordergrund ab. Jeder kleine Krater ist zu sehen. So haben die Astronauten unseren Trabanten gesehen. Ein paar Seiten weiter dann große Panoramafotos von der Mondoberfläche. Auch hier ist bis zum Horizont jedes Detail zu erkennen.

In den Jahren 1965 - 1972 haben die Astronauten des Apollo-Programms stets fotografiert. Urlaubsfotos ganz besonderer Art, aufgenommen mit alten großformatigen Kameras der Marke Hasselblad. Über 32.000 Dias und Negative hat die NASA in einem Bunker in Houston eingelagert, genauer gesagt tiefgefroren. Michael Light, Fotograf und Fotokünstler, hat es geschafft, diesen Schatz der NASA noch einmal in Teilen zu heben. 900 Motive hat er ausgewählt und in einem speziellen Verfahren digitalisiert, bearbeitet und großformatig abgezogen. Diese Bilder wandern seitdem durch Ausstellungen, leider überwiegend in den USA. Parallel zur Ausstellung entstand das Buch; immerhin können so 129 Bilder überall und von jedermann ganz in Ruhe genossen werden. Drei Teile hat Lights Reise zum Mond. Teil eins widmet sich den Startvorbereitungen, dem Start und ersten Erdumrundungen. In Teil zwei verläßt der Leser (genauer gesagt der Betrachter der Bilder) mit den Astronauten die Erde umkreist den Mond und landet schließlich auf der zeklüfteten und mit Kratern übersäten Oberfläche. Auf großen Panoramen aus zusammengesetzten Einzelbildern kann man einen unglaublichen Rundblick genießen. Bild Nr. 67 zum Beispiel ist aus acht Einzelfotos komponiert und hat ausgeklappt eine Breite von 120 cm. Im dritten Teil verlssen wir den Mond und machen uns auf den Rückweg zur Erde. Mit den Astronauten erleben wir die "Landung" im Atlantik.

Genussvoll kann jede Seite mit Spannung umgeblättert werden. Kein Text stört diesen digital veredelten Ausflug auf unseren Begleiter im unendlichen Weltall. Alle Erläuterungen finden sich hinten im Buch, jeweils neben einer Verkleinerung der entsprechenden Bilder. Hier hat sich zwar der eine oder andere Fehler eingeschlichen, wie falsch bezeichnete Krater oder Mondformationen, doch das trübt den Genuss dieses Bandes kaum. (Nicht zuletzt deshalb habe ich dieses Buch noch einmal vorgestellt, obwohl es bereits 1999 erschienen ist.)

Das Archiv-Projekt "Full Moon" versteht Michael Light nicht als wissenschaftliche Dokumentation oder Ausdruck ungebremster Technikfaszination, sondern stellt es in die Tradition der großen amerikanischen Landschaftsfotografen wie Anselm Adams oder Carlton Watkins. Ein Aufbruch zu neuen Landschaften, neuen zumindest damals noch unberührten Welten wird festgehalten. Und auch wenn beim Durchblättern des Bandes nichts wirklich Neues zu sehen ist, "Full Moon" zieht doch jeden Betrachter durch die bislang noch nirgends erreichte Brillianz der Fotos sofort in den Bann.

Einen Einblick in sein Projekt bietet Michael Light auch im Internet. "Project Full Moon" zeigt einige ausgewählte Fotos und Erläuterungen des Künstlers. Mit der Qualität des gedruckten Werkes freilich können die "Internetbildchen" nicht mithalten.