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Eine Reise nach Tasmanien - "Englische Passagiere" auf der Suche nach dem Garten Eden

April 2001

An einem Sommermorgen im Jahre 1857 stechen Captain Illiam Quillian Kewley und seine Crew von der Isle of Man aus in See. Sie wollen mit ihrer doppelwandigen Sincerity, einem perfekt gebauten Schmugglerschiff, Tabak und Cognac aus Frankreich holen. Doch ihre Reise wird zur Irrfahrt, denn der englische Zoll ist nicht so dämlich wie die Schmugglertruppe denkt. Um Strafzölle und Hafengebühren begleichen zu können, nehmen Kewley und seine verwegenen Seeleute drei Passagiere an Bord; Engländer, die aufbrechen zu einer Expedition ans andere Ende der Welt - nach Tasmanien.

KnealeMatthew Kneale,
Englische Passagiere

DVA
544 Seiten

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Diese Passagiere schnell wieder loszuwerden, gelingt nicht wie geplant und so segelt die dicke, doppelwandige Sincerity mitsamt den skurill-verrückten Engländern tatsächlich rund um den Globus. Die seltsame Drei-Mann-Expedition will beweisen, daß in Tasmanien das wahre Paradies lag, der biblische Garten Eden.

Das Personal, das Matthew Kneale versammelt ist exquisit. Da ist zunächst die Englische Expeditionsmannschaft: ein fanatischer Landpfarrer, ein blasierter Biologe und ein im Rassenwahn gefangener Arzt. Auf der anderen Seite Captain Kewley und seine Seeleute: eine Truppe verwegener Gesellen von der Isle of Man; allesamt überzeugte Feinde Englands, allerdings nicht eben mit übermäßiger Intelligenz bewaffnet.

Parallel zur Reise der Sincerity erzählt Kneale die Geschichte Tasmaniens. Ein trauriger Bericht über kolonialen Dünkel und dumpfe Gewalt britischer Eroberer. Die Eingeborenen werden kurzerhand bis auf eine handvoll Überlebender ausgerottet. Die wiederum müssen herhalten für britische Erziehungsexperimente oder dienen schlicht als Kulisse für einen letzten Rest von Südseeromantik.

Kneale entwickelt seinen spannenden und mit vielen historischen Details gespickten Schelmenroman aus vielen Perspektiven. Nicht ein Erzähler leitet den Leser durch Geschichten und Geschichte, sondern eine vielzahl von Personen. Jeder berichtet aus seiner Perspektive; und der ständige Perspektivwechsel beleuchtet viele Details aus unterschiedlichen Winkeln. Das macht Kneales Schilderungen sehr farbig, verwirrt aber auch ein bißchen, denn die kräftige Fabulierkunst des Autors bleibt dabei leider hin und wieder auf der Strecke.

Aber das ist nur eine ganz leichte Trübung im ansonsten hinreißenden und brillianten Lesegenuss. Alles, was man für einen wirklich tollen Abenteuerschmöker braucht ist dabei: geschundene Kettensträflinge, ein kluger Eingeborenenmischling, eine schwarze Amazone, dünkelhafte Kolonialbeamten und notorische Gutmenschen. Das ganze endet furios in Mord und Totschlag, Meuterei und Wahnsinn. Das Paradies wird natürlich nicht gefunden.

Matthew Kneale ist für seine "Englischen Passagiere" zurecht mit dem Whitbread Prize 2000 ausgezeichnet worden, einem der höchsten Literaturpreis Großbritanniens.