Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2001

Die fotografischen Schätze der Royal Geographical Society zeigen die abenteuerliche Geschichte der Entdeckungsreisen im 19. Jahrhundert

Juli 2001

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, aufzubrechen ins Unbekannte, Wegen zu folgen, die am Horizont im Unendlichen verschwinden oder einfach loszulaufen und sich vom Unbekannten eines Landes oder Kontinentes überraschen zu lassen. Heute, im 21. Jahrhundert, verliert diese Vorstellung natürlich viel von ihrem ursprünglichen Reiz. Das ist kein Abenteuer mehr im Zeitalter der Satellitennavigation, der modernen elektronischen Kommunikationsmittel und der technisch ausgereiften, zuverlässigen Transportmittel. Und weiße Flecken auf der Landkarte, wirklich unerforschte Winkel der Erde also, gibt es auch nicht mehr. Im 19. Jahrhundert war das noch ganz anders.

Hinterm Horizont Hinter dem Horizont
Von der Erkundung Afrikas bis zur Eroberung des Mount Everest
356 Seiten
Verlag Frederking & Thaler

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Das vorliegende Buch zeigt, wie es damals war. Ausgebreitet werden bislang ungehobene Schätze aus den Tiefen der Archive der Royal Geographical Society. Fotos aus über einhundert Jahren. "Hinter dem Horizont" - herausgegeben von der Zeitschrift GEO - ist zwar schon 1998 auf den Markt gekommen. Doch es ist es wirklich wert, auch drei Jahre später noch einmal wiederentdeckt zu werden.

1861 hat die Königliche Geographische Gesellschaft in London damit begonnen, Expeditionen und Forschungsreisen zu finanzieren. Vor allem der sogenannte schwarze Kontinent zog die abenteuerlustigen und wissenshungrigen Reisenden an; kaum verwunderlich, hatte doch das britische Empire dort eine Vielzahl von Kolonien. Auch Asien und vor allem der Indische Subkontinent standen hoch im Kurs. Bekannt waren aber meist nur die Küstenregionen, das Landesinnere Afrikas, die unwegsamen Urwälder, die endlosen Wüsten und Gebirge Asiens waren noch unerforscht.

Die alten Schwarzweiß-Aufnahmen und die vereinzelten neueren Farbfotos in diesem Buch zeigen den Aufbruch in die fernsten Winkel unserer Erde. Es sind beeindruckende Natur- und Landschaftsaufnahmen, Porträts fremder Völker und teilweise längst vergangener Kulturen, einzigartige historische Begebenheiten.

Mitunter findet sich auch Kurioses: auf vielen Expeditionen wurden ganze Ladungen von Möbeln und Küchengeräten mitgeschleppt, nur damit auch in der ödesten Savanne der britische Gentleman oder die britische Lady auf den traditionellen Fünf-Uhr-Tee nicht verzichten mußten - serviert natürlich in kostbarem Porzellan.

"Hinter dem Horizont" ist eine Fotosafari rund um die Welt. Bekannte Forscher und Reisende wie der Bergsteiger Sir Edmund Hillary und der Wüstendurchquerer Wilfred Thesiger leiten mit sehr persönlich gehaltenen Essays die einzelnen Abschnitte der Fotodukemntation über Asien, Afrika, Amerika, Australien und die Polarregionen ein. Doch der wahre Schatz, das sind die Fotos selbst. Sie vermitteln auch heute noch eindringlich die Strapazen der Reisen, aber genauso die Glücksgefühle der Reisenden, wenn sie denn ihr Ziel erreicht haben. Dokumentiert wird auch, wie sich die Forscher den Menschen, denen sie auf der Reise begegneten, mal offen und neugierig, mal kolonialherrisch und von oben herabblickend entgegentraten. Der kostbar ausgestatte Band lädt immer wieder aufs neue ein zum Blättern und Schauen; eine wertvolle Dokumentation des Forscherdrangs vergangenenr Jahrhunderte, ein Bilderbuch der ethnischen Kulturen und Kontinente und obendrein eine eindrucksvolle Geschichte der Fotografie.