Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2001

Das Wissenschaftsbuch des Jahres 2000 - Brian Greene zeigt das neue Bild vom Universum

Januar 2001

Also, für einen Feinschmecker und Freund der italienischen Küche könnte sich die Sache folgendermaßen darstellen: Der Kosmos ist eine gigantische Schüssel mit Pasta. mikroskopische Spaghettinis, Makkaroni, Fettucini und ein paar Tortelinis. Alle sind verschiedene Formen einer einzigen Basis, nämlich einer Art kosmischen Hartweizengries. Der Urstoff des Universums.

GreeneBrian Greene,
Das elegante Universum

512 Seiten - 77 Abbildungen
Siedler Verlag

Jetzt bestellen!


Brian Greene hätte mit Sicherheit nichts gegen diese profane Sicht auf sein komplexes Forschungsgebiet; im Gegenteil, er wird liebend gern noch ein paar Linguine dazugeben, denn nichts liegt ihm mehr am Herzen, als die Grundlagen der Superstringtheorie so zu erklären, daß sie jedermann versteht. Wer jetzt meint, Brian Green begiebt sich dazu auf Küchenniveau, der irrt. Es geht ihm schon um eine möglichst fundierte Erklärung eines der wohl aufregensten und gleichzeitig schwierigsten Gebiete der Physik.

Es geht um nichts geringeres als die Theorie für einfach Alles! Also eine Art Formel oder ein Modell, mit denen der Aufbau und die Fundamente des Universiums schlüssig erklärt werden können. Die Entdeckung dieser Weltformel wäre der Meilenstein der Naturwissenschaft. Doch noch klaffen gewaltige Lücken zwischen den beiden bislang gültigen Welterklärungsmodellen: der Relativitätstheorie Albert Einsteins und der Quantenmechanik Werner Heisenbergs (beide Namen stehen in vereinfachendem Sinne selbstredend nur stellvertretend für diese beiden Theorien der Physik).

Die Relativitätstheorie erklärt das Große, den Makrokosmos, die Sterne und die Anziehungskräfte von Galaxien. Die Quantenmechanik beschreibt dagegen das ganz kleine, den Mikrokosmos, die Elementarteilchen und die fundamentalen Urkräfte. Experimente haben die Richtigkeit beider Theorien präzise bestätigt. Nur leider passen sie einfach nicht zusammen. Jeder Versuch sie zu verschmelzen, verbiegt oder zertrümmert entweder das eine oder andere der beiden Modelle. Es bleibt ein kosmischer Schlamm.

Das Paradebeispiel für dieses Dilemma der theoretischen Physik ist die sogenannte Dunkle Materie. Im makrokosmischen Gefüge reicht die sichtbare Materie nicht aus, um die Dynamik von Galaxien und Sternhaufen zu erklären. Deshalb die Annahme dunkler Materie, die wiederum auf quantenmechanisch wechselwirkende mikrokosmische Teilchen hinweist, die erst noch gefunden werden müssen.

Nur mit der String-Theorie lässt sich die Vereinigung von Mikro- und Makrokosmos vollziehen, zumindest ist sie der zur Zeit hoffnungsvollste Ansatz. Wie weit die Forschung gediehen ist und wie sich die bislang unvereinbaren Brüder Relativitätstheorie und Quantenmechanik entwickelt haben, das beschreibt Greene virtuos. Er vermittelt dem interessierten (und nach Möglichkeit physikalisch etwas vorgebildeten) Leser einen sehr tiefen Einblick in die Grundlagenforschung. Auf mathematischen Formelballast verzichtet er dabei, sondern sucht immer wieder nach griffigen Beispielen, die für wirkliches Verständnis sorgen für Begreifen im wahrsten Sinne.