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C. D. Friedrich - Der geheimnisvollste Maler der deutschen Romantik

Februar 2001

Der Umriß eines Seglers im Morgenlicht, ein einsamer Mönch vor der Weite des Meeres, zwei Freunde im Mondlicht, abweisendes Packeis, Kirchenruinen in geheimnisvollem Licht. Die Motive des Caspar David Friedrich sind hinlänglich bekannt. Sie wirken fast beiläufig und folgen doch einem Muster, einer eigenen inneren Dramaturgie: Natur wird in ihrer Erscheinung festgehalten und zugleich in ihrer Aussage gesteigert.

C.D.FriedrichWerner Hofmann,
Caspar David Friedrich

300 Seiten mit 210 Abbildungen
C.H.Beck Verlag

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Wer Caspar David Friedrich war, muss heutzutage kaum noch erklärt werden. Früher war das anders. Schon 1840 - im Todesjahr des Malers - war er nur noch wenigen bekannt. Erst um die Jahrhundertwende wurde der Romantiker wiederentdeckt, um sofort ideologisch interpretiert und instrumentalisiert zu werden. Zu seinem 200. Geburtstag setzte dann erneut eine große Renaissance ein, nicht zuletzt durch eine umfassende Ausstellung seiner Werke in Hamburg, eine Ausstellung, die Werner Hofmann konzipierte und leitete.

Im vorliegenden Buch - reich und durchgängig farbig bebildert - versucht er seine Sicht auf Friedrichs Bilder zu erläutern und somit das Auge des Betrachters neu zu schärfen. Viele Jahrzehnte der Friedrich-Forschung sind eingeflossen. Nicht das gängige Postkartenklischee Friedrichscher Kunst wird bedient, Hofmann lenkt den ein Blick in die Tiefe; auf Naturwirklichkeit und Kunstwahrheit, wie es im Untertitel des Bandes heißt.

Sein Hauptaugenmerk legt er auf die kompositorische Strenge der Gemälde; jegliches Sentiment - sei es aus deutschtümelnd-romantischen oder religiösen Gründen - wird beiseite geschoben. Die Strategie Friedrichs, die dem Aufbau seiner Werke zugrunde liegt, wird erforscht. Dabei zeigt sich: der Maler weist - quasi vorauseilend - weit ins 20. Jahrhundert und die Kunst der Moderne hinein.

Nur eine Technik sei hier stellvertretend für viele genannt: die Auflösung der Zentralperspektive. Fast nie weiß der Betrachter, wo der Maler eigentlich steht. Fast nie findet der Betrachter einen eindeutig fixierbaren Punkt, an dem er selbst ins Bild treten könnte. Ein Schritt und er ist im Mee oder stürzt in den Abgrund. Alle Motive Friedrichs erscheinen gleichermassen fern und doch so nah. Hofmann sagt: Friedrich geht ins Polyfokale, Polyvalente. Das macht den geheimnisvollen Reiz der Bilder aus, bis heute.

Nicht unwichtig ist auch der historische Kontext, in dem Friedrich gearbeitet hat. Hofmann zeichnet diesen zeitgeschichtlichen Rahmen umfassend nach: die Gedanken Schleiermachers, Goethes, Schillers, die Urteile der Dichter, das politische Geschehen im napoleonischen Europa. Leben und Werk Caspar David Friedrichs werden beschrieben als großartiges Manifest einer neuen Kunst. Ein vermeintlich bekannter Maler, ganz neu entdeckt.