Artikel und Meldungen aus dem Jahr 2000

Johann Sebastin Bach - Ein umfassendes biographisches Porträt gezeichnet von Christoph Wolff

Oktober 2000

Wer war Johann Sebastian Bach? Christoph Wolff beantwortet diese Frage mit einer monumentalen Bachbiographie, die er rechtzeitig zum Bachjahr 2000 vorlegt, der große Komponist starb am 28. Juli 1750. Leider wurde für die deutsche Übersetzung (Wolff hat sein Buch in englischer Sprache geschrieben) der Untertitel "The learned Musician" (also: "Der gelehrte Musiker") nicht übernommen. So bleibt es bei dem ebenso lapidaren wie schwergewichtigen Titel "Johann Sebastian Bach".

WolffChristoph Wolff,
Johann Sebastian Bach

S-Fischer Verlag

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Als Gerüst für sein Buch hat Wolff die chronologisch erzählte Lebensgeschichte Bachs gewählt. Dabei hält er sich akribisch an überlieferte Quellen und Dokumente und kann sich auf die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen und intensiven Forschungen berufen. Auch die erst kürzlich in Kiew wieder aufgetauchten Handschriften der Bach-Familie bezieht er ein.

Diese Fülle biographischer Informationen werden ergänzt durch ausführliche Beschreibungen des kulturellen Umfeldes und den damit verbundenen politischen, sozialen und geographischen Umständen. (Im Anhang findet sich sogar eine umfassende Umrechnungstabelle mit den damals gängigen Münzen und Geldwerten; kein ganz unwichtiges Detail, denn Bach hat zeitlebens kämpfen müssen um sein wirtschaftliches Auskommen.)

Neben diesem breit angelegten Zeitgemälde kümmert sich Wolff natürlich auch um die Musik. Hier nimmt er viel Rücksicht auf den musikalisch nicht ganz so vorgebildeten Leser; seine Analysen sind schlaglichtartig, konzentrieren sich auf das Wesentliche, liefern aber genügend Informationen, um das eine oder andere Werk Johann Sebastian Bachs mit neuen (zumindest neu geschulten) Ohren anzuhören.

Schon zu Lebzeiten wurde Bach, der selbst seine Kunst als tiefgründige Wissenschaft verstand, mit Isaac Newton verglichen. Wie Newton mit seinem naturwissenschaftlich-mathematischen Weltbild die Physik so habe Bach die Musik revolutioniert. In diesem Sinne würdigt Christoph Wolff Bach als den großen Gelehrten der Töne und Noten und zeigt, daß Werke wie die h-moll-Messe, die Matthäus-Passion, das Wohltemperierte Klavier oder die Kunst der Fuge höchste Kunst, Gottesdienst und exakte Wissenschaft sind.