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Ein Krimidebüt wie ein Paukenschlag - Mo Hayders "Vogelmann" ist dunkel, brutal und sehr, sehr spannend

November 2000

Ein nekrophiler Serienmörder, ein Kommissar, der mit Erinnerungen an seine Kindheit nicht fertig wird, ein Krankenhaus und ein heruntergekommener Pub als Dreh- und Angelpunkte der Geschichte, all das macht den "Vogelmann" von Mo Hayder zu einem düsteren mitunter fast unappetitlichen Seelengemälde und zu einem Krimi der Extraklasse. Kein Buch für Zartbesaitete, doch für Freunde harter Krimikost genau richtig.

HayderMo Hayder,
Der Vogelmann

Goldmann Verlag

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Auf einem Brachgelände in der Nähe der Themse werden die Leichen von fünf Frauen gefunden. Schnell wird klar, Detective Inspector Jack Caffery und seine Kollegen haben es mit einem Serienkiller zu tun. Sie nennen ihn den "Vogelmann", weil er den toten Frauen kleine Vögel in den Brustkorb genäht hat.

Ein schwarzer Drogendealer gerät in Verdacht, doch Caffery verfolgt andere Spuren. Der Mörder muss medizinische Kenntnisse besitzen und kann hervorragend mir dem Skalpell umgehen, auf das Profil eines Drogendealers paßt das wenig. Gegen den Willen seiner Vorgesetzten und obendrein belastet durch private Probleme ermittelt Caffery auf eigene Faust. Erinnerungen aus seiner Kindheit holen ihn ein, Erinnerungen an seinen Bruder, der eines Tages beim Spielen spurlos verschwand und wahrscheinlich ermordet wurde. Mit diesem Mord könnte der ominöse Nachbar etwas zu tun haben.

Dann wird der Mörder ermittelt: Toby Harteveld, Kunstsammler, Ästhet, Millionenerbe und berüchtigt für wilde ausschweifende Partys, bei denen nicht nur Alkohol in Strömen fließt, sondern auch Drogen jeglicher Art im Spiel sind. Harteveld von der Polizei gejagd verliert die Nerven und stürzt sich von einer Brücke. Alle atmen auf, der Fall ist gelöst ... bis die nächste Leiche in einer Mülltonne auftaucht.

Was auf den ersten Blick wie eine ganz konventionelle Krimistory klingt, wird bei Mo Hayder zu einem düsteren Seelengemälde. "Der Vogelmann" spielt in zwielichtigen Pubs und in Seziersälen, der Täter entpuppt sich als nekrophiler Serienkiller, der seine Opfer im Prostituiertenmilieu sucht und am Ende des Romans, im Verlauf eines atemberaubenden Showdown, macht sich auch Inspector Caffery schuldig.

Mo Hayder hat ein Debüt vorgelegt, daß sie auf eine Ebene mit den ganz großen Ladies of Crime hebt: Minette Walters, Patricia Cornwell oder Martha Grimes. Dabei liest sich Hayders Biographie selbst wie ein Abenteuerroman. Mit fünfzehn runter von der Schule, Jobs in Bars und Kneipen, eine kurze Ehe, die schnell in die Brüche geht, Aufbruch nach Japan. Auch in Tokio hält sie sich mit zahllosen Gelegenheitsjobs über Wasser und beginnt zu schreiben, zunächst für eine englische Zeitschrift. Es folgen ein Studium an einer amerikanischen Filmhochschule und kleinere Erfolge als Trickfilmerin Amerika, bevor sie wieder anch England zurückkehrt.

"Der Vogelmann" ist geprägt von ihren Erfahrungen in Japan, dort, sagt sie, habe sie die dunklen Seiten der Menschen kennengelernt. Diese dunkle Seite beschreibt sie in ihrem zutiefst aufwühlenden Buch. Ebenso prägend sei für sie der Tod eines guten Bekannten gewesen, der praktisch wie bei einem Ritual geschlachtet wurde. Dieser Mord habe sie Zeit ihres Lebens fasziniert, sie habe einfach wissen wollen, was in einem Menschen vorgeht, der zu einer solchen Tat fähig sei. Im "Vogelmann" geht Mo Hayder dabei an Grenzen, spielt geschickt mit Tabus und Tabubrüchen, so gesehen ist ihr Roman ein genau kalkulierter Erfolg. Die Autorin beschreibt sich selbst als eine Frau, die sich absichtlich in potentiell gefährliche Situationen begiebt, nur um zu sehen wie das ist. Genauso schreibt sie.