Dezember 2000
Das ausgehende 15. Jahrhundert. Florenz zu Zeiten der Hochrenaissance: Fürst Francesco de Medici erteilt dem berühmten Maler Sandro Botticelli einen Auftrag. Der Künstler, der auch an der Ausmalung der Sixtinischen Kapelle mitgewirkt hat, soll einen Bilderzyklus zum bis heute berühmtesten Werk der italienischen Literatur schaffen. Die Göttliche Kommödie, die Dante Aleghieri 200 Jahre zuvor niedergeschrieben hatte. Botticelli läßt sich dabei viel Zeit, insgesamt arbeitet er 15 Jahre an den Illustrationen. Das Ergebnis: ein Meisterwerk der Renaissance.
Sandro Botticelli,
Der Bilderzyklus zu Dantes Göttlicher Komödie
392 Seiten mit 283 Abbildungen
Hatje Cantz Verlag
Die Göttliche Kommödie schildert die Reise des Ich-Erzählers Dante durch die drei Reiche des Jenseits: Hölle, Läuterungsberg und Paradies. Dabei begegnen ihm zahlreiche literarische und historische Gestalten.
92 Blätter von Botticellis Dantezyklus sind erhalten. Sie liegen in den Sammlungen des Berliner Kupferstichkabinetts und der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom. Im vorliegenden Bildband werden sie alle in jeweils ganzseitigen, farbigen Abbildungen präsentiert und mit einem ausführlichen Kommentar versehen. Dabei wird sowohl auf die komplexe Bildgestaltung und -erzählung eingegangen, als auch auf die politischen und sozialen Hintergründe der Entstehung eingegangen.
Einen breiten Raum nimmt dabei die genaue Funktion des sogenannten Nonfinito des Werkes ein. Viele der Bilder hat Botticelli nur in dünnen Bleistift- oder Tuschzeichnungen ausgeführt. Sie wirken wie unfertige Entwürfe und sind doch auf ihre Weise vollkommen. Andere Bilder dagegen sind farbig ausgemalt.
Hat Botticelli über die lange Zeit der Arbeit seine Mal- und Zeichentechnik geändert oder ist er einfach nicht fertig geworden? Bis heute wird diese Frage strittig diskutiert. Das vorliegende Buch versucht, die Diskussion auf hohem Niveau zusammenzufassen.
Der Band ist ursprünglich als Ausstellungskatalog erschienen. Nur selten werden die hochempfindlichen Bilder Botticellis der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Schau, die den gesamten erhaltenen Zyklus aller 92 Zeichnungen präsentiert, wird so bald nicht wiederkommen. Der ausführlich kommentierte und hervorragend gedruckte Bildband - herausgegeben von Heinrich-Th. Schulze-Altkappenberg - bleibt. Für alle Freunde Dantes und/oder Botticellis ein Muß.
Zu den Autoren zählen: H. Bredekamp, D. Dombrowski, A. Dückers, G. Morello, A. Kablitz, P. Keller, J. Schwski, R. Fuchs, O. Hahn, D. Oltrogge.