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Die Erfindung des Menschlichen - Harold Bloom erklärt uns Williams Welt

Dezember 2000

Eigentlich ist das, was Harold Bloom in seinem großen Buch über William Shakespear macht, ganz banal. Er liest einfach nur die Dramen des großen Barden aus Stratford und erläutert sie. Stück für Stück im wahrsten Sinne des Wortes.

BloomHarold Bloom,
Shakespeare. Die Erfindung der Menschlichkeit

Berlin Verlag

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Doch dieser Analyse der einzelnen Bühnenwerke legt Bloom eine auf den ersten Blick ganz einache These zu Grunde: Der große Dichter war nicht nur der Schöpfer der modenen englischen Sprache, sondern er "erfand" auch das, was wir den "menschlichen Charakter" nennen. Vor Shakespeare, sagt Harold Bloom, gab es in der Literatur nur die grobe Zuweisung oder Etikettierung von Charakterzügen; nach Shakespeare gab es Charaktere, Männer und Frauen, die hoch individuell gezeichnet sind und zugleich in der Lage, sich zu ändern.

Um diese These zu belegen führt Bloom den Leser in ganz einfacher und verständlicher Sprache durch jedes einzelne von Shakespeares Stücken. Sein unkonventioneller Stil, sein enormes Hintergrundwissen und seine spürbare Begeisterung für das Thema machen den Text zu einem fesselnden Strudel.

Immer wieder überrascht Bloom mit sehr persönlichen Urteilen und sagt offen und ehrlich, welche Figuren zu seinen Lieblingen zählen und welche nicht.

Wie immer in seinen Büchern ist Bloom auch hier wieder selbst der eigentliche Held - unerschrocken bricht er mit literaturwisenschaftlichen Tabus, gibt kecke Hinweise, wie Shakespearedramen seiner Meinung nach inszeniert werden müssen und ist abwechselnd polemisch oder dogamatisch. Gleichzeitig versucht er der Frage nachzugehen, was es heißt menschlich zu sein.

Unterm Strich ist das amüsant zu lesen; Bloom hat einen kurzweiligen Begeleiter durch Williams Welt vorgelegt. "Shakespeare. Die Erfindung des Menschlichen" belegt einmal mehr, warum der Barde aus Stratford seit vier Jahrhunderten zu den populärsten und universalsten Dramatikern nicht nur der westlich geprägten Weltliteratur zählt.